Sie ernähren sich vernünftig und schlafen die meisten Nächte gut. Trotzdem scheint Sie jede Erkältung im Büro zu erwischen, und ein Schnitt an der Hand braucht Wochen, bis er verheilt ist. Ihr Standard-Bluttest ist unauffällig, und damit ist das Gespräch beendet.
Der Punkt ist: Viele Standard-Blutuntersuchungen erfassen die Mineralstoffe nicht, die Ihr Körper nur in kleinsten Mengen braucht. Ein Spurenelemente-Bluttest misst drei davon, nämlich Zink, Selen und Kupfer, und zusätzlich das Verhältnis zwischen Zink und Kupfer. Gemeinsam beeinflussen sie, wie gut Ihr Immunsystem reagiert, wie Ihre Schilddrüse Hormone umwandelt und wie Ihre Zellen sich vor alltäglicher Abnutzung schützen.
Dieser Artikel erklärt, was die einzelnen Spurenelemente bewirken, warum die Schweiz beim Selen eine besondere Geschichte hat, wer eher tiefe Werte hat und was die Messung dieser Marker aussagen kann und was nicht.
Was Spurenelemente sind und warum kleinste Mengen zählen
Spurenelemente sind Mineralstoffe, die Ihr Körper in Mengen von Mikrogramm oder wenigen Milligramm benötigt. Bei Kalzium oder Magnesium sind es dagegen Hunderte Milligramm pro Tag. Die Mengen sind klein, die Aufgaben jedoch gross.
Viele Spurenelemente wirken als Kofaktoren, also als Hilfsmoleküle, die sich an Enzyme binden, um lebenswichtige biochemische Reaktionen zu aktivieren oder zu beschleunigen. Fehlen sie, können diese Enzyme ihre Arbeit nicht richtig erledigen. Wenn ein Mangel Anzeichen verursacht, sind diese meist unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.
| Spurenelement | Hauptaufgaben im Körper | Wichtigste Nahrungsquellen |
|---|---|---|
| Zink | Immunabwehr, Wundheilung, Zellwachstum, Stoffwechsel, Fortpflanzung | Fleisch, Käse, Milch, Eier, Nüsse, Vollkornprodukte |
| Selen | Umwandlung von Schilddrüsenhormonen, Schutz vor oxidativem Stress, Immunfunktion, Fruchtbarkeit | Fisch, Eier, Fleisch, Paranüsse |
| Kupfer | Eisentransport, Bindegewebe, Nervensystem, Energiestoffwechsel, Immunfunktion | Innereien, Fisch, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kakao |
Ihr Körper kann keines davon selbst herstellen. Alles, was Sie davon haben, stammt aus dem, was Sie essen und trinken, einschliesslich Nahrungsergänzungsmitteln. Wie viel Sie aufnehmen, hängt von Ihrem Darm, Ihrer Ernährung und einigen Medikamenten ab, und wie viel Sie brauchen, verändert sich mit dem Alter, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit.
Zink: ein Schlüsselmineral für Ihr Immunsystem
Zink ist laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Bestandteil vieler Enzyme und Proteine. Es ist am Zellwachstum, an der Wundheilung, am Stoffwechsel, am Immunsystem und an der Fortpflanzung beteiligt.
Wie sich ein Zinkmangel anfühlen kann
Ein Zinkmangel kündigt sich selten deutlich an. Folgende Anzeichen können darauf hinweisen:
- Häufige oder langwierige Infekte
- Langsame Wundheilung
- Hautveränderungen wie Ekzeme
- Durchfall
- Probleme mit der Wahrnehmung oder dem Gedächtnis
- Ein schwächerer Geschmacks- oder Geruchssinn, der schon bei einem leichten Mangel auftreten kann ( gesund.bund.de, 2021 )
- Haarausfall, meist erst bei einem stärkeren Mangel ( gesund.bund.de, 2021 )
Keines dieser Anzeichen ist spezifisch für Zink. Genau darin liegt die Schwierigkeit: Für jedes gibt es viele mögliche Erklärungen, weshalb eine Messung, die von einem Arzt beurteilt wird, mehr bringt als Vermutungen.
Wer eher tiefe Zinkwerte hat
Deutsche Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden nennen mehrere Gruppen, die eher zu wenig Zink haben ( DGE, 2019 ; gesund.bund.de, 2021 ):
- Menschen, die sich überwiegend oder ganz pflanzlich ernähren. Getreide und Hülsenfrüchte enthalten Phytate, also Verbindungen, die Zink im Darm binden und die Aufnahme verringern. In einer Schweizer Studie mit gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 50 Jahren war ein tiefer Zinkwert der häufigste Mangel in der veganen Gruppe: 47 % der 53 Veganer hatten einen tiefen Zinkwert im Blut ( Schüpbach et al., 2017 ).
- Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
- Ältere Menschen , bei denen ein tiefer Zinkstatus häufiger vorkommt.
- Schwangere und stillende Frauen , deren Zinkbedarf steigt.
- Menschen, die viel Alkohol trinken , weil starker Alkoholkonsum dazu führt, dass der Körper mehr Zink über den Urin verliert.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 zu Mikronährstoffen in der Schweiz nannte ältere Menschen, Personen mit mehreren chronischen Erkrankungen, Menschen mit Adipositas, Schwangere sowie Bewohner von Pflegeheimen als Gruppen, die eher zu wenig davon aufnehmen. Bei Zink und Selen verwies sie besonders auf Erwachsene über 65 Jahre ( Berger et al., 2021 ).

Selen: die stille Bodengeschichte der Schweiz
Selen ist Bestandteil von Enzymen, die Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen und das Immunsystem unterstützen. Andere selenabhängige Enzyme regulieren die Schilddrüsenhormone und helfen, sie zu aktivieren ( DGE, 2021 ; SGE, 2026 ).
Warum die Geografie beim Selen eine Rolle spielt
Der Selengehalt pflanzlicher Lebensmittel hängt weitgehend vom Boden ab, auf dem sie wachsen, und Schweizer Böden sind von Natur aus selenarm. Forschende des Bundes aus Landwirtschaft und öffentlicher Gesundheit beschrieben die natürlichen Bedingungen in der Schweiz als ungünstig für eine ausreichende Selenversorgung ( Sieber et al., 1999 ).
Woher stammt also das Selen in der Schweizer Ernährung? In den 1990er-Jahren führten Forschende es hauptsächlich auf zwei Wege zurück: auf selenreichen Weizen aus Nordamerika und auf Selen, das dem Tierfutter beigemischt wird und so über Fleisch, Eier und Milchprodukte zu uns gelangt. Als die Weizenimporte aus Nordamerika zurückgingen, glich der Weg über das Tierfutter die Differenz aus. Eine Studie aus dem Jahr 2008 mit 1'847 gesunden Blutspendern aus der ganzen Schweiz, die im Durchschnitt gesünder sind als die Gesamtbevölkerung, ergab, dass die durchschnittlichen Selenwerte ausreichend waren und seit einer ähnlichen Studie von 1993 gestiegen sind, wobei sehr tiefe Werte selten waren ( Burri et al., 2008 ). Nach einem strengeren Massstab, den manche Fachleute verwenden, liegt allerdings ein beträchtlicher Teil der Menschen knapp unter dem idealen Wert ( Berger et al., 2021 ).
Ihre Selenzufuhr hängt also davon ab, was Sie essen und woher es stammt. Wer sich überwiegend von lokalen, pflanzlichen Lebensmitteln ernährt, nimmt möglicherweise weniger Selen auf als ein Nachbar, der regelmässig Fisch, Fleisch und Eier isst ( DGE, 2021 ). Deshalb ist Ihre Ernährung einer der ersten Punkte, die bei der Beurteilung eines Selenwerts zu berücksichtigen sind.
Mehr ist nicht immer besser
Zu viel Selen kann schaden, weshalb für Nahrungsergänzungsmittel strenge Höchstmengen gelten. In der Schweiz darf die Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels höchstens 165 Mikrogramm Selen enthalten, und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt höchstens 40 Mikrogramm ( Schweizer Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel ; BfR, 2024 ). Eine langfristig zu hohe Zufuhr kann zu Haarausfall und Nagelveränderungen führen ( DGE, 2021 ). Paranüsse sind die selenreichste Nahrungsquelle, ihr Selengehalt schwankt jedoch stark: Schweizer Nährwertdaten geben rund 58 Mikrogramm pro Portion von 25 Gramm an ( SGE, 2026 ). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, höchstens zwei Paranüsse pro Tag zu essen, weil sie zudem Radium anreichern, ein natürlich radioaktives Element ( DGE, 2021 ).
Selen ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, warum es sich lohnt, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu messen.
Kupfer: der Partner, von dem man selten hört
Kupfer erhält selten Aufmerksamkeit, arbeitet aber eng mit Eisen zusammen. Es trägt zu einem normalen Eisentransport, zum Bindegewebe, zum Energiestoffwechsel, zum Nervensystem und zum Immunsystem bei ( Verbraucherzentrale, 2025 ). Da Kupfer am Eisenstoffwechsel beteiligt ist, kann ein Mangel zu einer Blutarmut führen ( DGE, 2019 ).
Ein echter Kupfermangel ist sehr selten, kommt aber vor. Zu den bekannten Ursachen gehören Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn und, vielleicht überraschend, eine hohe Zinkzufuhr, weil Zink die Aufnahme von Kupfer hemmt ( Verbraucherzentrale, 2025 ).
Kupfer kann auch erhöht sein. Der Kupferwert im Serum steigt bei Infekten und Entzündungen, in der Schwangerschaft und bei höheren Östrogenspiegeln. Ein erhöhter Kupferwert für sich allein ist deshalb ein Hinweis, der eingeordnet werden muss, und keine Diagnose.
Das Kupfer-Zink-Verhältnis: was das Gleichgewicht verrät
Hier kann ein Spurenelemente-Bluttest einen Zusammenhang aufzeigen, den ein einzelner Wert nicht liefert. Bei einer Entzündung sinkt der Zinkwert im Blut tendenziell, während der Kupferwert steigt, sodass das Kupfer-Zink-Verhältnis zunimmt.
Forschende untersuchen dieses Verhältnis seit Jahrzehnten. Eine finnische Langzeitstudie begleitete 2'503 Männer im Alter von 42 bis 61 Jahren über einen Median von 26 Jahren. Männer mit einem höheren Kupfer-Zink-Verhältnis zu Beginn erkrankten häufiger an einer Lungenentzündung. Der Zusammenhang wurde schwächer, blieb aber bestehen, als die Forschenden das C-reaktive Protein berücksichtigten, einen gängigen Entzündungsmarker ( Kunutsor et al., 2022a ). In derselben Gruppe finnischer Männer entwickelten jene mit einem höheren Verhältnis zudem häufiger eine Herzinsuffizienz ( Kunutsor et al., 2022b ).
Es handelt sich um Beobachtungsdaten von Männern aus einer Region Finnlands, die auf einer einzigen Blutprobe beruhen. Sie zeigen deshalb einen Zusammenhang, belegen aber keine Ursache. Sie deuten darauf hin, dass das Verhältnis eine Entzündung auf eine Weise widerspiegeln kann, wie es einzelne Werte nicht tun, es bleibt jedoch ein Forschungsmarker und keine Diagnose. Bei Ahead Health weisen wir das Verhältnis zusammen mit Zink, Selen und Kupfer als zusätzlichen Kontext für die Beurteilung durch Ihren Arzt aus.

Warum ein Standard-Check-up Spurenelemente oft nicht erfasst
Ein Routine-Bluttest in der Schweiz umfasst meist ein grosses Blutbild, den Blutzucker, das Cholesterin sowie Nieren- und Leberwerte. Das ist sinnvoll, denn diese Marker decken die häufigsten Erkrankungen effizient ab. Spurenelemente werden in der Regel dann gemessen, wenn eine konkrete medizinische Fragestellung besteht, etwa bei Verdacht auf eine gestörte Aufnahme im Darm, vor oder nach einer Adipositas-Operation oder in der Spitalernährung.
Wenn Ihre Beschwerden also unspezifisch sind, wurden diese Werte möglicherweise nie bestimmt. Eine Messung der Spurenelemente im Rahmen eines präventiven Check-ups kann Ihnen einen Ausgangswert liefern, mit dem Sie spätere Ergebnisse vergleichen können.
Das hilft auch Ihrem Hausarzt. Ein klares Ergebnis, gemessen und von einem Arzt beurteilt, ist ein viel besserer Ausgangspunkt für ein Gespräch als „Ich habe gelesen, dass ich vielleicht Zink brauche.“
So lesen Sie das Ergebnis eines Spurenelemente-Bluttests
Serumwerte von Spurenelementen sind nützlich, haben aber klare Grenzen:
- Kein einzelner Blutwert erzählt die ganze Geschichte. Die Anzeichen eines Mangels sind unspezifisch, und die Blutwerte werden nicht nur von der Ernährung beeinflusst. Bei einem leichten Zinkmangel kann der Blutwert zum Beispiel noch im Normbereich liegen ( gesund.bund.de, 2021 ). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ergänzt, dass ein Zinkmangel letztlich dann bestätigt ist, wenn sich die Beschwerden nach der Einnahme von Zink bessern ( DGE, 2019 ). Deshalb beurteilen unsere Ärzte diese Werte gemeinsam und zusammen mit Ihren anderen Markern und berücksichtigen dabei allfällige Beschwerden, Ihre Ernährung und Ihren Lebensstil, Ihre Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sowie Ihre Krankengeschichte.
- Entzündungen verschieben die Werte. Ein Infekt kann den Zinkwert im Blut senken, auch wenn kein echter Mangel besteht ( gesund.bund.de, 2021 ), und den Kupferwert vorübergehend erhöhen. Deshalb werden die Ergebnisse am besten zusammen mit Entzündungsmarkern und Ihrem Befinden zum Zeitpunkt der Blutentnahme beurteilt.
- Der Zeitpunkt zählt. Der Zinkwert verändert sich im Tagesverlauf, deshalb lässt sich eine Blutprobe vom Morgen über die Zeit besser vergleichen.
- Nahrungsergänzungsmittel verändern das Bild. Wenn Sie Zink, Selen oder ein Multivitaminpräparat einnehmen, teilen Sie uns das mit. Das hilft, einen hohen Wert einzuordnen, und verhindert, dass Sie zusätzlich etwas einnehmen, wovon Sie bereits genug haben.
- Wiederholte Messungen zeigen den Verlauf. Ein einzelnes Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Ein zweiter Test nach einer Anpassung der Ernährung oder der Nahrungsergänzung kann zeigen, ob sich Ihre Werte verändert haben.
Ziel ist es, Ihre Werte so gut zu verstehen, dass Sie eine fundierte Entscheidung treffen können: Ihre Ernährung anpassen, ein Nahrungsergänzungsmittel beginnen oder absetzen oder mit Ihrem Arzt einer Ursache nachgehen.
Ihr Spurenelemente-Bluttest bei Ahead Health
Das Zusatzangebot Spurenelemente ist ab sofort an allen Standorten von Ahead Health in der Schweiz erhältlich. Sie können es zu jedem Ahead Bluttest-Check-up hinzufügen.
Enthalten sind:
- Zink
- Selen
- Kupfer
- Kupfer-Zink-Verhältnis
Ihre Ergebnisse erscheinen in Ihrem Ahead Gesundheitsbericht neben Ihren übrigen Biomarkern , mit verständlichen Erklärungen, und werden von Schweizer Ärzten mit eidgenössischem Facharzttitel beurteilt. Wenn Sie die Spurenelemente neben Markern wie Eisen, Schilddrüsen- und Entzündungswerten sehen, können Sie und Ihr Arzt sie im Zusammenhang einordnen, und genau so ergeben sie am meisten Sinn.
Fazit
Zink, Selen und Kupfer werden nur in winzigen Mengen benötigt, beeinflussen aber, wie Sie Infekte abwehren, wie Ihre Schilddrüse arbeitet und wie Ihr Körper mit alltäglichem oxidativem und entzündlichem Stress umgeht. In der Schweiz sind die Böden von Natur aus selenarm, und eine überwiegend pflanzliche Ernährung kann weniger Zink und Selen liefern.
Ein Spurenelemente-Bluttest gibt Ihnen einen gemessenen Ausgangspunkt statt Vermutungen, sofern die Ergebnisse mit den oben beschriebenen Grenzen gelesen werden. Wenn Sie sich gefragt haben, ob Ihre Mineralstoffe eine Rolle für Ihr Befinden spielen, eröffnet Ihnen die Kenntnis Ihrer Werte mehr Möglichkeiten und ein klareres Gespräch mit Ihrem Arzt.





