„Sie vertragen Brot einfach nicht so gut.“ „Blähungen hat doch jeder.“ „Das ist bestimmt der Stress.“
Wenn Sie einen dieser Sätze schon gehört haben, sind Sie damit nicht allein. Zöliakie betrifft in Europa etwa 1 von 100 Menschen, und die meisten von ihnen wissen nichts davon. Viele leben jahrelang mit Müdigkeit, tiefen Eisenwerten oder einem unruhigen Darm, andere spüren gar nichts. Das Zöliakie-Screening ist ein Bluttest, der eine präzise Frage beantwortet: Bildet Ihr Immunsystem die Antikörper, die für Zöliakie typisch sind?
Die Antwort ist wichtig. Ist eine Zöliakie einmal erkannt, lässt sie sich sehr gut behandeln. Die Herausforderung besteht darin, sie überhaupt zu erkennen.
Was Zöliakie ist (und was nicht)
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Wenn ein Mensch mit Zöliakie Gluten isst, ein Eiweiss aus Weizen, Gerste und Roggen, hält sein Immunsystem es für eine Bedrohung und greift die Schleimhaut des Dünndarms an.
Diese Schleimhaut ist mit Zotten bedeckt, winzigen fingerförmigen Falten, die Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen. Mit der Zeit flacht die Immunreaktion diese Zotten ab. Ein abgeflachter Darm nimmt weniger Eisen, Folsäure, Vitamin D und Kalzium auf, auch wenn Sie sich ausgezeichnet ernähren.
Es hilft, drei Erkrankungen zu unterscheiden, die oft unter dem Begriff „Glutenunverträglichkeit“ zusammengefasst werden:
| Erkrankung | Was passiert | Wie sie festgestellt wird |
|---|---|---|
| Zöliakie | Autoimmunreaktion auf Gluten, die den Dünndarm schädigt | Bluttest (tTG-IgA), bestätigt durch eine Fachärztin oder einen Facharzt, oft mit einer Biopsie |
| Weizenallergie | Klassische allergische Reaktion auf Weizeneiweisse, teilweise sofort | Allergietest (Pricktest oder spezifisches IgE) |
| Nicht-zöliakische Glutensensitivität | Beschwerden nach dem Essen von Gluten, ohne Autoimmunschaden und ohne Allergie | Ausschlussdiagnose, nachdem Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen wurden |
Nur die Zöliakie verursacht einen bleibenden Schaden am Darm, und sie hinterlässt ein typisches Antikörpermuster im Blut, das ein Screening-Test erkennen kann. Genau das macht das Zöliakie-Screening so nützlich.
Warum so viele Menschen nicht diagnostiziert sind
Die Schwierigkeit liegt darin, dass Zöliakie selten so aussieht, wie man es erwartet.
Das Lehrbuchbild ist jemand mit chronischem Durchfall und Gewichtsverlust. Tatsächlich hält die Eidgenössische Ernährungskommission der Schweiz (EEK) fest, dass die meisten Menschen mit Zöliakie wenige Symptome, ein einzelnes Symptom oder gar keine haben ( BAG/EEK, 2010 ). Die Schweizer Patientenorganisation IG Zöliakie nennt Müdigkeit, Blutarmut, Vitaminmängel, Blähungen, Verstopfung und Knochenschmerzen als häufige Symptome bei Erwachsenen ( IG Zöliakie ). Für jedes dieser Symptome gibt es ein Dutzend häufigere Erklärungen.
Der Zöliakie-Eisberg
Fachleute beschreiben Zöliakie oft als Eisberg. Die diagnostizierten Fälle liegen über der Wasserlinie. Darunter befindet sich eine deutlich grössere Gruppe von Menschen, die erkrankt sind, ohne es zu wissen.
Ein grosses europäisches Screening-Projekt untersuchte Blutproben aus mehreren Ländern und fand eine Gesamtprävalenz von etwa 1 % mit grossen Unterschieden: 2,4 % der 30- bis 64-Jährigen in Finnland, verglichen mit 0,3 % in Deutschland ( Mustalahti et al., 2010 ). Eine weltweite Meta-Analyse von 96 Studien fand bei 1,4 % der Menschen Antikörper und bei 0,7 % eine per Biopsie bestätigte Erkrankung ( Singh et al., 2018 ).
Die britische Organisation Coeliac UK schätzt, dass fast zwei Drittel der Menschen mit Zöliakie noch nicht diagnostiziert sind und dass Erwachsene von den ersten Symptomen bis zur Diagnose durchschnittlich 13 Jahre warten ( Coeliac UK ). Für die Schweiz gibt es keine vergleichbare Zahl, es spricht aber wenig dafür, dass die Lage hier grundlegend anders ist.
Warum die Diagnose so lange dauert
Drei Faktoren verzögern die Diagnose häufig:
- Die Symptome gleichen häufigen Erkrankungen. Blähungen und unregelmässiger Stuhlgang werden oft als Reizdarmsyndrom eingeordnet. Laut Coeliac UK warten Menschen, bei denen zuerst ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert wurde, im Median 7,1 Jahre auf ihre Zöliakie-Diagnose ( Coeliac UK ).
- Die Symptome zeigen sich ausserhalb des Darms. Tiefe Eisenwerte, eine geringe Knochendichte, Aphthen im Mund oder ein juckender, blasenbildender Hautausschlag namens Dermatitis herpetiformis können das erste Anzeichen sein.
- Selbstbehandlung verwischt das Bild. Viele Menschen essen weniger Gluten, weil sie sich ohne besser fühlen. Das ist verständlich, kann spätere Tests aber unzuverlässig machen (mehr dazu weiter unten).
So funktioniert das Zöliakie-Screening
Das Zöliakie-Screening ist ein Bluttest. Bei Ahead Health misst er zwei Marker ( zu unseren Biomarkern ).
Marker 1: Anti-Gewebstransglutaminase-IgA (tTG-IgA)
Die Gewebstransglutaminase ist ein Enzym in Ihrer Darmschleimhaut. Bei Zöliakie bildet das Immunsystem Antikörper gegen dieses Enzym. Die Messung dieser Antikörper, tTG-IgA genannt, ist laut europäischen und britischen Leitlinien der empfohlene Ersttest auf Zöliakie, mit einer gepoolten Sensitivität von rund 90 % ( Penny et al., 2026 ).
Marker 2: Gesamt-Immunglobulin A (IgA)
Dieser Marker wird leicht übersehen, ist aber entscheidend. tTG-IgA ist ein IgA-Antikörper. Manche Menschen bilden von Natur aus sehr wenig IgA, ein Zustand, der als selektiver IgA-Mangel bezeichnet wird. Er betrifft etwa 1 von 500 bis 700 Menschen und rund 2 % der Menschen mit Zöliakie ( Penny et al., 2026 ).
Ist Ihr Gesamt-IgA tief, kann ein tTG-IgA-Wert normal aussehen, obwohl eine Zöliakie vorliegt. Wird das Gesamt-IgA zusammen mit dem tTG-IgA gemessen, ist ein negatives Ergebnis auch wirklich aussagekräftig. Britische und europäische Leitlinien empfehlen, beide Werte gemeinsam zu bestimmen, und bei Ahead Health sind beide in unserem Zöliakie-Screening enthalten.
Was Ihre Ergebnisse bedeuten
| Ergebnis | Was es in der Regel bedeutet | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| tTG-IgA normal, Gesamt-IgA normal | Eine Zöliakie ist zum Zeitpunkt des Tests unwahrscheinlich, sofern Sie regelmässig Gluten gegessen haben. Eine Glutensensitivität oder Weizenallergie ist damit nicht ausgeschlossen. | Wenn die Beschwerden anhalten oder sich Risikofaktoren ändern, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt |
| tTG-IgA erhöht, Gesamt-IgA normal | Eine Zöliakie ist möglich, und zwar umso wahrscheinlicher, je höher der Wert ist | Überweisung an eine Gastroenterologin oder einen Gastroenterologen zur Bestätigung der Diagnose. Essen Sie bis dahin weiterhin wie gewohnt Gluten. |
| Gesamt-IgA tief | Der tTG-IgA-Wert kann fälschlicherweise beruhigend wirken | Weitere Abklärung mit IgG-basierten Antikörpern, begleitet durch eine Ärztin oder einen Arzt |
Ein erhöhter tTG-IgA-Wert ist ein starkes Signal, er steht jedoch am Anfang der Diagnose und nicht an ihrem Ende. Die Bestätigung erfolgt in der Regel bei einer Gastroenterologin oder einem Gastroenterologen, oft im Rahmen einer Magenspiegelung mit kleinen Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm.

Essen Sie vor dem Test weiterhin Gluten
Das ist der wichtigste praktische Punkt beim Zöliakie-Screening.
Die Antikörper entstehen nur, wenn Ihr Immunsystem mit Gluten in Kontakt kommt. Wenn Sie auf Gluten verzichten, nehmen sie ab, und der Test kann normal ausfallen, obwohl Sie Zöliakie haben. Die British Society of Gastroenterology empfiehlt, vor dem Test regelmässig Gluten zu essen, und schlägt für alle, die ihren Glutenkonsum bereits reduziert haben, 3 bis 6 Gramm Gluten pro Tag während mindestens sechs Wochen vor ( Penny et al., 2026 ). Zur Orientierung: 3 Gramm entsprechen etwa eineinhalb bis zwei Scheiben Weizenbrot oder einer faustgrossen Portion gekochter Teigwaren.
Wenn Sie Gluten bereits meiden und sich damit besser fühlen, sprechen Sie vor dem Test mit einer Ärztin oder einem Arzt. Wer zuerst glutenfrei isst und erst später testet, verpasst die Zöliakie am häufigsten.
Für wen ein Zöliakie-Screening sinnvoll ist
Die Leitlinien empfehlen, alle Menschen mit Symptomen, die auf eine Zöliakie hindeuten könnten, zu testen und Personen aus Risikogruppen gezielt zu screenen ( Penny et al., 2026 ). Ein Zöliakie-Screening kann für Sie sinnvoll sein, wenn Sie:
- einen Elternteil, ein Geschwister oder ein Kind mit Zöliakie haben
- Typ-1-Diabetes oder eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse haben (zum Beispiel eine Hashimoto-Thyreoiditis)
- einen Eisenmangel oder eine Blutarmut ohne klare Ursache haben
- die Diagnose Reizdarmsyndrom erhalten haben
- in jüngerem Alter als erwartet eine geringe Knochendichte haben
- anhaltend unter Müdigkeit, Blähungen oder veränderten Stuhlgewohnheiten leiden
- weniger Gluten essen, weil Sie vermuten, es nicht gut zu vertragen, und wissen möchten, ob eine Zöliakie dahintersteckt. Sprechen Sie zuerst mit einer Ärztin oder einem Arzt, denn der Test funktioniert nur, wenn Sie regelmässig Gluten essen
Diese letzte Gruppe ist grösser, als man denken könnte. Eine verlässliche Antwort aus einem Test, den Sie machen, während Sie Gluten essen, bestimmt die nächsten Schritte. Haben Sie Zöliakie, kann sich die Darmschleimhaut mit einer strikt glutenfreien Ernährung erholen, und Sie schützen Ihre Gesundheit langfristig. Haben Sie keine, können Sie Ihre Ernährung nach Ihrem Wohlbefinden ausrichten, ohne dass ein Fragezeichen bleibt.

Was nach einer Diagnose geschieht
Eine Zöliakie-Diagnose kann sich anfangs nach viel anfühlen. Die gute Nachricht: Die Behandlung ist klar, nämlich eine lebenslange glutenfreie Ernährung. Bei den meisten Menschen bessern sich Symptome wie Müdigkeit und Blähungen innerhalb weniger Wochen, während die vollständige Heilung der Darmschleimhaut in der Regel ein bis zwei Jahre oder länger dauert.
Zur Nachsorge gehören in der Regel:
- Begleitung durch eine Ernährungsberaterin oder einen Ernährungsberater mit Erfahrung bei Zöliakie
- Wiederholte tTG-IgA-Tests, um den Rückgang der Werte zu verfolgen, ergänzt durch die Ernährungsberatung
- Kontrollen von Eisen, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D und Kalzium
- Eine Knochendichtemessung (DEXA) etwa ein Jahr nach der Diagnose, da eine langjährige Malabsorption die Knochengesundheit beeinträchtigen kann
- Eine Pneumokokken-Impfung, die heute allen Erwachsenen mit Zöliakie empfohlen wird
- Ein Testangebot für Eltern, Geschwister und Kinder
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt bleibt im Zentrum dieser Betreuung. Das Screening gibt Ihnen und Ihrer Hausarztpraxis lediglich eine bessere Ausgangslage.
Zöliakie-Screening bei Ahead Health
Bei Ahead Health ist das Zöliakie-Screening als Add-on zu unseren Check-ups erhältlich. Es misst tTG-IgA und Gesamt-IgA aus derselben Blutprobe wie Ihr übriges Panel, Sie brauchen also keinen zusätzlichen Termin und keinen weiteren Stich.
- Zöliakie-Screening (Add-on): Enthält tTG-IgA und Gesamt-IgA.
- Ergebnisse: Von in der Schweiz zertifizierten Fachärztinnen und Fachärzten geprüft und in Ihrem Gesundheitsbericht erklärt.
- Bei einem erhöhten Wert: Wir erklären Ihnen, was er bedeutet, und empfehlen den passenden nächsten Schritt mit einer Gastroenterologin, einem Gastroenterologen oder Ihrer Hausarztpraxis. Essen Sie weiterhin wie gewohnt Gluten, bis eine Fachperson die Diagnose bestätigt hat.
FAQ
Kann ich mich auf Zöliakie testen lassen, wenn ich mich bereits glutenfrei ernähre?
Nicht zuverlässig. Ohne Glutenkontakt nehmen die Antikörper ab, sodass ein normales Ergebnis irreführend sein kann. Besprechen Sie vor dem Test mit einer Ärztin oder einem Arzt eine strukturierte Glutenbelastung (in der Regel 3 bis 6 Gramm Gluten pro Tag, also etwa zwei bis vier Scheiben Weizenbrot, während mindestens sechs Wochen). Ein Gentest (HLA-DQ2/DQ8) kann eine Zöliakie manchmal ohne Glutenbelastung ausschliessen. Nach einer Glutenbelastung bevorzugt eine Fachperson möglicherweise eine Biopsie statt eines reinen Bluttests.
Bedeutet ein positives Zöliakie-Screening, dass ich Zöliakie habe?
Ein erhöhter tTG-IgA-Wert macht eine Zöliakie wahrscheinlich, die Diagnose wird aber von einer Gastroenterologin oder einem Gastroenterologen bestätigt. Je nach Wert und Alter geschieht das mit einer Magenspiegelung und Biopsie oder mit einem zweiten Bluttest. Essen Sie bis dahin weiterhin wie gewohnt Gluten, denn ein zu früher Verzicht kann die Bestätigungstests unzuverlässig machen.
Ist Zöliakie dasselbe wie eine Glutenunverträglichkeit?
Nein. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung mit messbaren Antikörpern und einer Schädigung des Darms. Eine nicht-zöliakische Glutensensitivität verursacht Beschwerden ohne diesen Schaden, und es gibt keinen spezifischen Bluttest dafür. Das Zöliakie-Screening zeigt Ihnen, ob eine Zöliakie wahrscheinlich ist, kann aber weder eine Glutensensitivität noch eine Weizenallergie diagnostizieren.



